Zur Schreibweise von Taiji Quan

Für die Umschrift des chinesischen 太极拳 gibt es eine verwirrende Vielzahl von Schreibweisen. Woher kommt dieses babylonische Durcheinander? Und warum schreibe ich hier konsequent Taiji Quan und nicht Tai Chi und lasse mir so haufenweise Besucher entgehen? Denn nach „Tai Chi“ suchen monatlich laut Google 1,8 Millionen Menschen aber Taiji möchten nur 300.000 machen.

Die unzähligen Schreibungen sind im Grunde Varianten und Mischungen der beiden Umschriften „Tai Chi Chuan“ und „Taiji Quan“. Mal liest man hier „Taichi Quan“, mal dort „Taji Chuan“ und andere Abwandlungen. Gerne auch in allen möglichen Permutationen von getrennt und zusammen Schreibungen.

Welche ist denn jetzt aber die richtige Umschrift? Einfach: Richtig ist keine der beiden Schreibweisen. „Richtig“ wäre entweder „T’ai Chi Ch’üan“ oder „Tàijí Quán“. Die Ursprünge dieser beiden Varianten liegen in der Geschichte der Transkription.

Taiji Quan

Schriftzug Taiji Quan in traditionellen Langzeichen.

Die chinesische Schrift ist – einfach ausgedrückt – eine Silbenschrift (kompliziert: morphosyllabische Schrift). Dadurch ergibt sich ein Problem bei der Transkription in lateinische Schriftzeichen. Bei Buchstaben basierten Schriften, wie zum Beispiel Kyrillisch oder Arabisch, genügt es, zu jedem Buchstaben des jeweiligen Alphabets eine Entsprechung im anderen zu finden, festzulegen oder zu erfinden. Bei einer Silbenschrift, die dazu noch verschiedene semantische Zeichen für gleiche Laute hat und in der Aussprache bis zu neun (!) verschiedene Tonhöhen bei gleichem Laut unterscheidet, wird es schwierig bis unmöglich, eine adäquate Umschrift zu finden.

Als die Europäer im 16. Jahrhundert begannen, über den Seeweg direkt mit China zu handeln, wuchs natürlich auch das Bestreben, die fremde Sprache und Schrift zu lernen. Damit war das Bedürfnis nach einer Umschrift der chinesischen Zeichen, die ja keine Information über die Aussprache des Wortes beinhalten, geboren.

Seit dem wurden verschiedene Systeme zur Umschrift entwickelt. Über die Jahrhunderte entstanden so mehrere Dutzend Umschriften. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich ein erster Standard, die Umschrift nach Wade-Giles. Aus ihr entwickelte sich auch die heute häufig anzutreffende Schreibung „Tai Chi Chuan“.In den 1950er Jahren gab die chinesische Regierung eine neue Version zur Transkription heraus: Pinyin. Pinyin gewann mehr und mehr an Bedeutung und bekam in dern 1980er Jahren eine ISO-Zertifizierung. Sie ist heute weltweit wissenschaftlicher Standard. Allerdings ist auch die Schreibweise „Taiji Quan“ nur eine Anlehnung an das „Tàijí Quán“ in Pinyin.

Sowohl Wade-Giles als auch Pinyin sind nur eine Annäherung an eine mögliche Umschrift der Chinesischen Schrift. Bei Wade-Giles fällt vieles unter den Tisch, bei Pinyin herrscht eine Unzahl von Regeln und Ausnahmen zur Aussprache. Die einfachste Variante wäre wohl, wir blieben einfach bei 太极拳. Denn das ist nicht nur eine richtige Schreibweise, so geschrieben sagt 太极拳 auch viel mehr. Und nett anzusehen ist es obendrein. Hat halt nur den Nachteil, dass es nichts über die Aussprache verrät…