Selbstbetrachtung

Ich habe es ja bereits erwähnt: Unter der Autobahnbrücke habe ich ein Video von mir gemacht wie ich die 36er, die Fünf Tiere und den Anfang der 64er Laufe. Jetzt sollte ich daraus auch einen Nutzen ziehen. Schaue ich sie mir halt noch einmal an. Bild für Bild.

Vorher aber noch kurz den Gesamteindruck festhalten, so wie er sich jetzt zwei Tage nach dem letzten Ansehen des Videos gebildet hat.

Der Ablauf der Form ist vertraut, die Bilder reihe ich im Schlaf aneinander. Aber darum geht es gar nicht und das sollte selbstverständlich sein, gewissermaßen notwendige Bedingung. Also kein Pluspunkt. Jetzt folgen nur noch Abzüge: der obere Rücken samt Kopf ist nie gerade nach oben gerichtet. Ich mach (oder habe?) einen ernsthaften Buckel. Das geht so nicht. Einige Bewegungen sind mir unsauber in Erinnerung, nicht ganz zu Ende ausgeführt. Die Verbindungen sind kaum zu sehen. Der Kopf wackelt, die Hände sind abgewinkelt, Rundheit fehlt. Und irgendwie sieht es nicht nach Kampfsport, sondern nach Ballett aus. WTF?!

In Ordnung. Statt Bild für Bild Analyse doch nur einen Aspekt: Ballett. Taiji Quan ist beim besten Willen kein Ballett. Die Bewegungen sollen zwar ruhig und geschmeidig sein. Gleichzeitig sollte – oder besser: will ich – dennoch die Kraft dahinter sehen. Zwei Punkte sind glaube ich für mich das Entscheidende.

 

Struktur

Die Struktur beginnt oben am Kopf und endet unten an den Füßen. Oder beginnt unten an den Füßen und endet oben am Kopf. Egal welches Ende oder Anfang Kopf und Fuß sind, zwischen ihnen spielt sich alles ab. Darum sollte gerade da alles stimmen. Ich merke es auch selbst: Wenn ich meinen Kopf nach oben ziehe, das Kinn zurücknehme, dann streckt sich meine gesamte Wirbelsäule und nicht nur der obere Teil. Darum unbedingt den Kopf heben, das sollte mein vorrangiges Ziel in nächster Zeit sein.

Struktur geht aber noch weiter als nur Kopf und Fuß. Vor allem an den Händen und Schultern muss ich arbeiten. Vor allem die Hände. Dazu passt die kurze Lektion aus einer der letzten Stunden zu den Yin- und Yang-Händen. Darauf einfach mal achten. Hat bestimmt auch Auswirkungen auf die komplette Armhaltung.

 

Ruhe

Ich laufe die Form nicht hektisch oder schnell. Dennoch fehlt eine gewisse Ruhe. Da kommt wieder meine Kopfhaltung ins Spiel. Mein Blick eilt immer wieder der Bewegung voraus oder ihr hinterher oder ist ganz woanders. Das synchronisieren!

Und unnötige Bewegungen vermeiden. Ich neige zu schlenkern und ausholenden Schulterbewegungen. Gleichzeitig kürze ich aber auch schon mal unerlaubt ab oder schludere bei den Endpositionen. Das hinterlässt ganz sicher auch einen Eindruck von Unruhe.

Das ist doch mal ein Ergebnis: Bihu sieht bald nicht mehr aus wie eine Ballerina wenn er Struktur und Ruhe wart. Hoffen wir.

 

Nachtrag nach einigen Tagen des Zögerns: