Schlange, Schildkröte, Xuan Wu

 

Was haben eine Schildkröte und eine Schlange mit Xuan Wu, dem Gott der Kampfkunst, dem Herrn des Nordens, gemein? Nun, sie sind seine Innereien.

 

Gott Xuan Wu

Wudanghshan-Xuanwu-in-Beijing-Capital-Museum-3796

Xuan Wu Darstellung als Schlange und Schildkröte
By Vmenkov (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Xuan Wu (chin. 玄武, „dunkler Krieger“, manchmal auch Zhenwu) ist ein daoistischer Gott. Er ist einer der am meisten verehrten daoistischen Gottheiten in ganz China. Eine besondere Beziehung besteht aber zum Wudang Gebirge, wo er an zahlreichen Stätten verehrt wird.

Vor allem zu Beginn des 15. Jhd. entstanden in Wudang Shan unter Kaiser Zhu Di (auch Yongle, 1360-1424) zahlreiche Anlagen, die Xuan Wu geweiht waren. Zhu Di verehrte Xuan Wu besonders, weil dieser ihm angeblich im Kampf um den Thron beiseite gestanden hatte.

Dass gerade in den Wudang Bergen Xuan Wu verhert wird, ist kein Zufall. Denn hier soll er Unsterblichkeit erlangt haben. Angeblich bedeutet „Wudang Shan“ sogar „die Berge, die nur Xuan Wus würdig sind“.

 

Prinz Xuan Wu

Auf einem Wandrelief im Purpurne Wolke Tempel heißt es, Xuan Wu sei ein Prinz gewesen. Er wollte jedoch nicht den Thron besteigen und zog das Leben eines einfachen Menschen vor. So verließ er den Palast, um allein in den Bergen dem Dao zu folgen. Obwohl seine Familie mit Soldaten nach ihm schicken ließ, konnten sie ihn nicht überzeugen, sein Leben lieber als Kaiser fröhlich mit Konkubinen zu verbringen.

Aber halt, ich wollte über Schlangen, Schildkröten und Innereien schreiben. Also zurück zum Thema: Bei fast allen Darstellungen Xuan Wus wird ihm eine Schlange, die sich um eine Schildkröte windet, beigestellt. Die Verbindung von Schlange, Schildkröte und Xuan Wu ist ein wenig unappetitlich. Aber so sind Legenden nun mal. Und diese geht so:

 

Xuan Wu sein Magen und Darm

Eine personale Darstellung von Xuan Wu

Eine personale Darstellung von Xuan Wu

Nachdem Xuan Wu das Dao gepflegt und so einige Jahre durchmeditiert hatte, war er schon fast ein unsterblicher Gott. Um aber vollständig zum Gott werden zu können musste Xuan Wu sich von allem Menschlichen befreien. Wirklich allem. Und da er Zeit seines Lebens menschliche Nahrung verdaut hatte, musste er – ganz logisch – seinen Magen und Darm reinigen.

Also ging er mit seinen Innereien, das letzte was noch an ihm Mensch war, an einen Fluss. Dort wusch er alles Böse und Schlechte aus Magen und Darm. Unglücklicherweise formte sich aus dem Bösen des Magens eine böse Schildkröte und aus dem Bösen des Darms eine böse Schlange. Die Beiden, Schildkröte und Schlange, verbreiteten fortan Angst und Schrecken unter den Menschen.

 

Xuan Wu seine Generäle

Xuan Wu war dafür aber voll und ganz ein Gott. Und als er als solcher erfuhr, was seine alten Organe da auf der Erde trieben, war er natürlich nicht begeistert. Er kam zurück auf die Erde und nahm die beiden kurzerhand mit. Sie mussten ihm fortan als General Schildkröte und General Schlange zur Seite stehen. Enger kann eine Bande kaum sein…

 

PS: Xuan Wu kommt übrigens auch in einer (weiteren) Legende über den Ursprung des Taiji Quan vor: Im Traum soll Zhang Sanfeng von Xuan Wu im Taiji Quan unterrichtet worden sein. Aber werwannwas erfunden hat, davon wollte ich ja gar nicht mehr so viel schreiben.

 

 

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