Qi Gong Dragonballz

 

Oder so ähnlich. Könnte auch Qi Gong Gesellenprüfung heißen, zumindest was das “ich kriege gar nichts mit” angeht. Oder einfach ein weiterer Beitrag aus der Reihe Erlebnisse im Park.

 

Erster Teil: Stummer Spaßvogel

Wie immer sonntags abends war ich im Park. Etwas später als gewohnt und so war ich recht alleine da. Selbst die obligatorischen Jogger waren unterbesetzt. Bei bestem Wetter und herrlichem Licht konnte ich mich also ganz meinem Hui Chun Qi Gong widmen.

In der Wuji Zhuang angekommen und der völligen Abwesenheit nahe bemerkte ich am Rande meiner eingeschränkten Wahrnehmung eine Gruppe betrunkener Zigeuner (darf man das jetzt sagen oder nicht?) an mir vorbei ziehen.

Natürlich blieb die Gruppe stehen und diskutierte im babylonischen Sprachgewirr, was der Typ in der wehenden Hose da wohl macht. Dank meines entrückten Zustands bin ich mir sicher, dass sie genau darüber gesprochen haben.

 

Nicht nur Fotos schießen

Gerade genug Zeit blieb mir noch, mich zu entscheiden, nicht zu reagieren. Und mich genau darauf vorzubereiten. Da standen auch schon zwei vor mir. Sie betrachteten mich eingehend und hauchten mir dabei ihren Bieratem ins Gesicht.  Aber nicht nur das. Schließlich haben sie auch angefangen mich hier und da anzustupsen. Das ganze gipfelte dann in Posen neben, vor und unter mir, die von den anderen mit dem Handy festgehalten wurden. Ich bin neugierig, wo die Bilder überall rumgehen…

Irgendwann dabei habe ich aufgehört in den Bauch zu atmen. Mein Herz schlug schneller, meine Beine zitterten doch ich blieb stumm. Oder so ähnlich.

Zu allem Überfluss kam dann noch eine hilfsbereite Hundebesitzerin vorbei und mischte sich mit den Worten ein: “Könnt ihr die Leute nicht in Ruhe lassen? Boah, ihr seid so dumm!” Für einen Augenblick hatte ich Angst, die Stimmung würde kippen. Dann müsste ich beide mit zwei gezielten Tai Yi Händen zur Strecke bringen um die Hundeführerin zu retten und mich anschließend von dem Rest der Gruppe lynchen lassen.

Zum Glück kam es nicht so weit und nachdem alle zehn oder zwanzig Fotos geschossen hatten (an meinem Handy ist der Ton immer aus – bei denen nicht) zogen sie ihres Weges. Und ich war stolz, geschwiegen zu haben.

Es hat noch ein wenig gedauert, aber dann war ich wieder drin und konnte mit Himmel und Erde wandeln weitermachen. Nur zu dumm, dass es einen zweiten Teil geben sollte.

 

Zweiter Teil: Dragonballz!

Beim “Himmel und Erde wandeln” kam dann eine Gruppe Jugendlicher. Auch nicht mehr nüchtern, denn sie näherten sich mit den Worten: “Alter, du bist doch bekifft. Traust du dich nicht!” Und Zappzarapp standen welche neben mir, die versuchten mitzumachen. Erst zwei, dann drei, dann vier. Dann die ganze Gruppe von wohl einem halben Dutzend.

Schnell kamen sie drauf, dass es viel lustiger ist, mit irgendwelchen Wham-Bamm-Countdowns meine Bewegungen zu kommentieren. Eigentlich ziemlich cool. Denn einer meinte: “Der lädt sich auf! Dragonballz!”

Das nehme ich als Kompliment, Danke. Aber Vorsicht: Beim nächsten mal schleudere ich spätestens beim Anfassen Feuerbälle. Wenn ich wieder so tief Qi Gong mache, dann habe ich bald Angriff +5! Das sieht dann ungefähr so aus: Dragonballz Gokus Super Saiyan Transformation.