Posen im Park

Kann das noch Zufall sein? Da hab ich mir in den letzten Tagen heimlich Gedanken gemacht, ob Taiji Quan im Park posen ist, und schon greift die Taiji Quan Blogosphäre meine stillen Gedanken gleich zwei mal auf: Der Teapotmonk und Daniel Grolle.

 

Daniel Grolles Passanten-Qi-Gong

Daniel Grolle hat vor einigen Tage ein Video über – wie er es treffend nennt – Passanten-Qi-Gong veröffentlicht. Dabei geht es darum, dass man nicht nur eine entspannte, nachgiebige und gleichzeitig kraftvolle Struktur in seinem Körper aufbaut. Sondern diese auch auf die vorüberziehenden Menschen ausstrahlt. Wie auch immer das zu verstehen ist (seht euch das Video selbst an, dann wird es eigentlich klar). Ein Satz ist bei mir hängen geblieben: Ob die Leute das gut oder schlecht finden, was wir da machen, darauf haben wir keinen Einfluss.

 

Der Teapotmonk

Der Teapotmonk fährt bei seinem aktuellen Podcast auf dem gleichen Zug: Warum draußen Taiji Quan machen? Er nennt drei Gründe, die ich nicht besser und präziser hätte in Worte fassen können: internalisieren, externalisieren und anpassen. Der erste und letzte sind auch meine Gründe, warum ich draußen Taiji Quan mache. Darum lasse ich das Externalisieren hier außen vor und verweise auf den Podcast vom Teapotmonk.

 

Internalisieren

Das Training im Park wirft mich ziemlich auf mich selbst zurück. Gerade weil da so viele andere Menschen sind. Denn ich will nicht gesehen werden. Leider ist selbst regungslos stehen ziemlich auffällig. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als mich ganz auf mich zu konzentrieren und ganz Taiji Quan zu sein.

Gleichzeitig kann Internalisieren aber auch bedeuten, die Umwelt und damit all die anderen Menschen da draußen in meine kleine Taiji Quan Welt zu lassen. Klingt fast schon abgefahren, ist aber ganz einfach gemeint: Internalisieren durch Akzeptanz.

Wenn ich die Blicke und Kommentare der anderen Menschen um mich herum annehme, geschehen lasse und als das nehme was sie sind, nämlich Kommentar und Blicke und nichts weiter, dann glaube ich jedesmal eine wichtige Lektion zu lernen. Vorausgesetzt es gelingt mir, sie so zu akzeptieren und stehen zu lassen und mich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.

 

Anpassung

Etwas bodenständiger ist mein zweiter Grund, warum ich gerne im Park Taiji Quan mache: Anpassung. Der Park ist ein anderer Ort und zwar jedesmal. Selbst wenn ich immer an die gleiche Stelle zurückkehre, dann sieht es jedesmal anders aus. Andere Menschen sind da, das Gras ist höher oder niedriger, ein neuer Hundehaufen hier, ein alter da schon fast nicht mehr zu sehen.

Auch die Sicherheit des ebenen Bodens habe ich nicht mehr. Bei einem Schritt zu merken, in ein Loch zu treten kann spannend sein. Wenn ich beim nächsten Schritt auf einem Bein mit schrägem Fuß stehen muss, dann fordert das ganz schön mein Gleichgewicht.

Im Park fehlt auch die gewohnte Orientierung. Bei Bild X komme ich nicht mehr mit dem Blick zum Ausgang  an. Vielleicht steht da jetzt ein Baum. Oder gar nichts und nur weite Fläche. Also muss ich die Orientierung aus meiner Bewegung heraus finden. Auch eine Herausforderung, die Anpassung erfordert.

 

Kein Posen im Park

Wenn das Training im Park für mich in doppelter Hinsicht eine Herausforderung ist, nämlich zu internalisieren und mich anzupassen, dann kann ich ganz sicher sein, dass Training im Park kein Posen ist. Nur eins noch. Das gucke ich mir beim Teapotmonk ab: Die Kutte bleibt demnächst zuhause. Denn die ist posig. ;)

 

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