Meditation: Embryonale Atmung

Vor einigen Monaten hatte ich mir mal vorgenommen, regelmäßig zu meditieren. Aus einer Laune heraus. Ich habe es mehr oder weniger regelmäßig bis heute durchgehalten. Lange genug um zu merken zu meinen, dass es Sinn hat. Also habe ich mich mal auf die Suche nach Taiji Quan kompatiblen Meditationstechniken gemacht. Fündig geworden bin ich in einem Artikel von Jáchym Jerie auf ymaa.com.

 

Embryonale Atmung als Meditationstechnik

Die in dem Artikel vorgestellte Meditationstechnik besteht im Grunde nur aus einer Atemtechnik, der embryonalen Atmung. Die embryonale Atmung basiert darauf, dass das obere und untere Dantian miteinander verbunden werden, so dass der Geist in das untere Dantian sinken kann.

 

Oberes und unteres Dantian

Das obere Dantian befindet sich im limbyschen System, etwa in der Mitte des Schädels auf Höhe der Ohren. Es gilt als der Sitz von Geist und Selbst und hat Einfluss auf die Qualität des Energieflusses. Das untere Dantian im Unterbauch ist der Energiespeicher des Körpers und wirkt auf die Quantität des Energieflusses.

 

Normale und umgekehrte Bauchatmung

Ein Daoist meditiert (Quelle: Wikicommons)

Meditation – Gathering the Light grafic from The Secret of the Golden Flower, by C. G. Jung and Richard Wilhelm/ Harvest/HBJ, New York and London, 1962

Bevor man die embryonale Atmung üben kann, sollte man mit der Bauchatmung, genauer der umgekehrten Bauchatmung, vertraut sein. Die Bauchatmung ist die natürliche Art des Atmens. Zusammen mit dem Absinken des Zwerchfells beim Einatmen dehnen sich der Unterbauch und der Huiyin-Punkt (Damm-Punkt) aus.

Bei der umgekehrten Bauchatmung dagegen ziehen sich Huiyin-Punkt und Unterbauch beim Eintamen zurück und dehnen sich beim Ausatmen aus. Diese Art der Atmung verwenden wir zum Beispiel beim Lachen oder Weinen, oder auch beim Bewegen von schweren Gegenständen.

Bei diesen Atemtechniken liegt der Fokus meist auf dem unteren Dantian. Bezieht man jetzt das obere Dantian in die umgekehrte Bauchatmung mit ein, synchronisiert und verbindet es mit dem unteren Dantian, entsteht die embryonale Atmung. Der Verstand sinkt in das untere Dantian und verbindet sich mit dem dort gesammelten Qi um als Einheit wirken zu können. Diesen Punkt zu erreichen ist allerdings ein langer Weg, der in vier Schritten abläuft.

 

Anleitung zur embryonalen Atmung

  1. xin (心), den emotionalen Verstand, beruhigen. Sich körperlich entspannen, nur auf den Atem konzentrieren (umgekehrte Bauchatmung!) und alle anderen Gedanken ignorieren.
  2. Die Dantians spüren. Das obere Dantian beim verlängerten Einatmen und verkürzten Ausatmen erspüren. Das untere Dantian finden, indem man sich auf die Ausdehnung des Unterbauchs nach vorne und (!) nach hinten am Rücken konzentriert.
  3. Den Atemrhythmus des unteren Dantian mit dem oberen synchronisieren.
  4. Der Verstand sinkt in das Dantian wenn mit dem Einatmen Energie nach unten geführt wird und beim Ausatmen die Aufmerksamkeit dort zurückbleibt.

 

Geduld und Haftungsfragen

Wie bei allen Meditationstechniken dauert es Wochen, wenn nicht gar Monate oder Jahre, um einen einzelnen Schritt zu vollenden. Nicht zu vergessen, dass man ersteinmal die normale und die umgekehrte Bauchatmung beherrschen muss. Ich finde es aber interessant zu sehen, dass man eben doch nicht einfach nur da sitzt und versucht an nichts zu denken, sondern dass da auch etwas passiert. Ob es klappt und ob man dann als Unsterblicher tot umfällt, dafür kann ich weder garantieren noch haften. ;)

 

 

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