Der „Klassiker des Taiji Quan“ von Zhang Sanfeng

Als ich den „Klassiker des Taiji Quan“ von Zhang Sanfeng (chin. 太極拳經, Taijiquan jing) zum ersten mal vor mir sah dachte ich nur: „Was? Das soll er sein? Länger nicht?“ Tatsächlich passt der Text auf eine DIN-A4-Seite und doch steht da so viel drin, dass ganze Bücher darüber geschrieben wurden. Und ich versuche es jetzt nur mit einem kurzen Blog Beitrag?!

 

Der „Klassiker des Taiji Quan“ von Zhang Sanfeng ist in zwei Teile aufgeteilt. Der erste Teil beschreibt die harmonische Verbindung der Körperglieder und die Bedeutung von Qi, Shen und Yi. Im zweiten Teil wird die Langform der 13 Stellungen den 8 Trigrammen und 5 Elementen gegenübergestellt.

 

Aufgereiht wie auf einer Schnur

Nicht der Klassiker des Taiji Quan

Das ist nicht der Klassiker des Taiji Quan. Aber so ähnlich sieht er für unsere Augen wohl aus. ;)

Alle Glieder des Körpers sollen gemäß des „Klassiker des Taiji Quan“ von Zhang Sanfeng wie an einer Schnur aufgereiht sein. Alle Glieder müssen miteinander verbunden und geordnet sein. Kein Körperteil darf hervorstehen, kein Teil in sich zusammenfallen. Vor allem soll die Verbindung gespürt werden. In jedem links, so der Text, ist auch ein rechts, in jedem oben ein unten und in jedem vor steckt auch ein zurück. Der berühmte Satz „Leere und Fülle müssen klar unterschieden werden“ stammt aus dieser Passage des Klassikers.

 

Beine, Hüfte, Finger

Zur Bewegung sagt Zhang Sanfeng im „Klassiker des Taiji Quan“, dass sie in den Füßen und Beinen entsteht, die Hüfte sie lenkt und schließlich in den Fingern wirkt. Für mich ist das einer der zentralen Teile des Klassikers. Wahrscheinlich, weil es eine der wenigen sehr konkreten und für mich unmittelbar nachvollziehbaren Stellen ist. Noch dazu hat sie den Charakter einer klaren Anleitung, wenn es dort heißt: „Der Fehler ist in den Hüften und Beinen zu suchen.“

 

Qi, Shen und Yi im Taiji Quan Jing

Bei alldem spielen drei Begriffe eine zentrale Rolle: Qi (Energie), Shen (Geist) und Yi (Vorstellung). Wie bei jedem einzelnen Wort des Klassikers lassen sich gerade zu diesen drei Begriffen, die in der Medizin, dem Daoismus, überhaupt der chinesischen Weltvorstellung eine wichtige Rolle spielen, ganze Bibliotheken widmen. Hier halte ich nur fest, was der Klassiker andeutet: Das Qi soll angeregt werden, der Geist (Shen) sich im inneren sammeln und die Bewegungen in der Vorstellungskraft (Yi) ihren Anfang nehmen.

 

Chang Quan, die Langform der 13 Stellungen

Früher Himmel Trigramme

Die Acht Trigramme in der Anordnung des frühen Himmels.

Der zweite Teil des „Klassiker des Taiji Quan“ von Zhang Sanfeng beginnt noch recht verständlich. Die „Langform der 13 Stellungen“ (Chang Quan) ist wie ein Fluß: langsam und immerwährend fließend, ohne Unterbrechung. Doch dann wird der Text fast schon mystisch wenn er die 13 Stellungen mit den 8 Trigrammen und 5 Elementen in korrespondieren lässt.

Die 13 Stellungen nach Zhang Sanfeng setzen sich aus acht Handtechniken und fünf Schritttechniken zusammen. Die acht Handtechniken sind: abwehren (peng), stoßen (an), zurückgleiten (lü), pressen (ji), nach unten ziehen (cai), schnelles reagieren (li), Ellbogenstoß (zhou), Schulterstoß (kao). Die fünf Schrittetchniken sind: vordrängen (jinbu), zurückweichen (tuibu), nach links blicken (zuogu), nach rechts blicken (youpan), Gleichgewicht in der Mitte sammeln (zhongding).

Was die Zuordnung der fünf Schritt- und acht Handtechniken zu den Trigrammen und Elementen angeht, bin ich ein wenig irritiert. Denn je nach Übersetzer oder Interpretator des Klassikers scheint es eine andere Zuordnung zu geben. Eine mögliche Zuordnung nach Song Zhijian ist in den beiden folgenden Tabellen dargestellt.

 

Acht Handtechniken und acht Trigramme

abwehren (peng)qian
stoßen (an)kan
zurückgleiten (lü)kun
pressen (ji)zhen
nach unten ziehen (cai)gen
schnelles reagieren (li)dui
Ellbogenstoß (zhou)li
Schulterstoß (kao)xun

 

Fünf Schritttechniken und fünf Elemente

vordrängen (jinbu)Wasser
zurückweich (tuibu)Feuer
nach links blicken (zuogu)Metall
nach rechts blicken (youpan)Holz
in der Mitte (zhongding)Erde

 

Trigramme, Elemente, Wandlungsphasen, …

Was es mit der Zurodnung der Schritt- und Handtechniken mit Trigrammen und Elementen auf sich hat, darüber schweigt der „Klassiker des Taiji Quan“ von Zhang Sanfeng. Wahrscheinlich ist es dem „Eingeweihten“ kein Rätsel, sondern eine Binsenweisheit, wenn der Ellenbogenstoß (zhou) dem Trigramm li zugeordnet wird. Eine dunkle Ahnung habe ich aber noch zu wenig, um darüber etwas schreiben zu können. Wen das interessiert, kommt um das Yi Jing nicht herum – oder abonniert Bihushans Taiji Quan Blog, denn das Thema greife ich sicher wieder auf. ;)

 

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