Bagua Zhang: Wer hat’s erfunden?

So wie es aussieht, habe ich mich beim Training wohl auf den Bagua Zhang Schwerpunkt eingelassen. Warum also nicht auch darüber bloggen? Beginne ich doch einfach mal mit der Frage aller Fragen: Wer hat’s erfunden, das Bagua Zhang?

 

Einer hat’s erfunden

Erstaunlicherweise ist Bagua Zhang endlich mal was, wo sich ganz konkret sagen lässt: Er war’s. Nämlich Dong Haichuan (1813-1882). Dong Haichuan stammt aus der Provinz Hebei und kam schon im Kindesalter mit Kampfkünsten in Berührung. Für das damalige China nichts Ungewöhnliches, denn viele Familien pflegten ihre eigene Kampfkunsttradition. So war in dem Dorf Zhu, der Heimat Dong Haichuans, eine Kampfkunst verbreitet, in der offene Hände statt geschlossene Fäuste dominierten.

 

Bagua Zhang und der Daoismus

Bagua Zhang war damit aber noch nicht geboren. Erst als Dong Haichuan mit dem Daoismus in Berührung kam, begann er das Bagua Zhang zu entwickeln. Es soll ein daoistischer Mönch aus Ji Hua Shan namens Bi Dengxia gewesen sein, der Dong Haichuan das meditative Kreisgehen lehrte. In meinen Augen ein wenig seltsam, dass sich daoistische Mönche auf einem der vier heiligsten buddhistischen Berge Chinas herumtreiben aber so geht die Legende nun mal. Als Dong Haichuan das Kreisgehen mit den offenen Händen seiner heimatlichen Kampfkunst kombinierte entstand Zhuan Zhang („wechselnde Hände“), das später den Namen Bagua Zhang („acht Trigramm Hände“, nach den Orakelzeichen (Trigramme, „Gua“) aus dem Yijing) bekam.

Dies geschah um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Nachdem Dong Haichuan eine Zeit lang im Staatsdienst gearbeitet hatte, widmete er sich ganz dem Bagua und unterrichtete ab den 1870er Jahren öffentlich seine Kunst in Beijing. Zu seinen bedeutendsten Schülern zählen Yin Fu (1840-1909), Cheng Tinghua (1848-1900) und Liang Zhenpu (1863-1932), die ihrerseits das Bagua Zhang an folgende Generationen weitergaben.

 

Die Schüler von Dong Hai Chuan

Interessanterweise lehrte Dong Haichuan seinen Schülern nicht allen das Gleiche. Warum das von ihm weitergegebene Wissen sich von Schüler zu Schüler unterschied, ist nicht sicher. Mal wird behauptet, dass sich Dong Haichuans Stil im Laufe seines Lebens gewandelt habe. Dann wieder heißt es, Dong Haichuan habe nur das weitergegeben, was für den jeweiligen Schüler auch wirklich geeignet gewesen sei.

Vielleicht, wer weiß das schon, liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen oder ganz woanders. Tatsache ist, dass es durch die unterschiedlichen Inhalte, die Dong Haichuan weitergegeben hat, zu einer großen Diversifizierung der Bagua Zhang Stile gekommen ist, mehr noch als im Taiji Quan. Wenn ich es mit dem Bloggen genauso ernst meine wie mit dem Training, dann gibt es demnächst noch einen Post über genau diese Diversifizierung im Bagua Zhang. Stay tuned!

 

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